Die Oder
…einst als viadrus fluvius bezeichnet, Namensgeber für Viadrina (Universität und Museum), Strom durch Europa, Lebensader für Polen und Deutsche, einst bezwungen und eingedeicht auf Befehl König Friedrich II. und Lebensraum unzähliger Pflanzen und Tiere – kennt sie heute kaum noch Hochwasser, eher kommt sie im Sommer als Rinnsal daher – entspringt im Riesengebirge, sammelt in Schlesien Wasser vieler Nebenflüsse ein, durchschneidet Oppeln (Opole) und Breslau (Wrocław), umfließt Grünberg (Zielona Góra) und schwenkt dann endgültig nach Westen, um bei Ratzdorf wieder nach Norden zu schwenken, nun aber verstärkt durch das Wasser der Neiße. Vorbei an Fürstenberg und Frankfurt (Oder) nimmt sie in Küstrin (Kostrzyn) das Wasser der Warthe auf; um hinter Stettin (Szczecin) durch das Oderhaff zu fließen und mündet dann in die Ostsee.
Die Oder ist aber auch
ein Strom mit wechselvoller Geschichte im Herzen Europas. Kann man es besser zeigen, als an historischen Plätzen wie Küstrin? Mitte des 18. Jahrhundert wurde die Oder in ihr neues Bett gezwungen: Das Oderbruch wurde eingedeicht und urbar gemacht. Küstrin mitten drin als Stadt an zwei Flüssen. Hier mündet die Warthe in die Oder. Die Brücken waren die Verbindung zum Osten Brandenburgs – nach Landsberg, Sonnenburg, Schwerin bis Posen. Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, Vertreibung der deutschen Bevölkerung östlich der Oder – plötzlich wurde die Oder zum Grenzfluss. Teilweise Hochsicherheitsbereich – „Friedensgrenze“ genannt! Die Altstadt Küstrins bis zur Unkenntlichkeit zerstört, die Steine werden zum Bau neuer Häuser der neuen Bewohner (Polen, die ihrerseits vertrieben wurden) verwendet und die Reste werden sich selbst überlassen.
Aber immer war die Oder auch ein Fluss der Hoffnung:
Nach der Eindeichung für bessere Schifffahrtsverbindung.
Nach dem Verlust der Neumark für Rückkehr.
Nach dem Mauerfall für bessere Beziehungen zum Nachbarn.
Nach dem Wegfall der Grenzen für Normalisierung der Beziehungen.
Lebensader und Grenze – die Oder ein Fluss der Gegensätze und Verbindungen!
Mutter Oder
Paul Keller
Die Oder ist unter den deutschen Flüssen wie ein Bauernweib unter Großen und Edlen. Sie ist nicht so reich wie die Elbe, nicht so munter wie die Weser, nicht so königlich wie der Rhein und nicht so machtvoll wie die Donau. Die Oder ist ein Bauernweib…
Oderhochwasser 2024
Abseits der überall veröffentlichten Fotos des Oderhochwassers 2024 möchte ich ein paar Fotos zeigen, die einmalig sind und, bei allem Leid, die solch heftige Hochwasser mit sich bringen, auch die Schönheiten der Naturgewalten zeigen. Nicht zuletzt gibt es immer wieder kuriose Situationen zu sehen: Ein Reiher, der eigentlich über eine Wiese spaziert, ein defektes Fahrzeug im Flachwasser und Verkehrsschilder, die nicht den Bootsverkehr regeln. Viel Spaß beim Betrachten und nicht vergessen: Auch wenn es für Deutschland glimpflich abgegangen ist, in anderen Gegenden waren Tote zu beklagen!
Die Oderwiesen nördlich von Frankfurt (Oder)
Blick vom Burgberg in Lebus
Pegelstände
Den aktuellen Wasserstand der Oder von Frankfurt (Oder) und Kienitz gibt es hier zu sehen.
Fähren
Sehen Sie sich die große Anzahl früherer Fähren auf der Oder an!
Güstebieser Loose
Die Fähre von
Güstebieser Loose nach Gozdowice (Güstebiese)
fährt vielleicht im Sommerhalbjahr, wenn es nicht stürmt, schneit, kein Hoch- oder Niedrigwasser den Verkehr behindert, kein Corona wütet oder die Fähre kaputt ist…
Man kann auch sagen: Äußerst selten bis gar nicht!
Informieren Sie sich selbst:
Fahrzeiten, Preise und Informationen
Aurith
Saisoneröffnung der neuen Fährverbindung von
Aurith nach Urad am 11. April 2024
weitere Informationen
Oder, mein Fluß,
Erich Eich
In Tropfen sickert es
aus Gebirgen von Zeit,
Wasser, das nach Kindheit schmeckt.
Oder, mein Fluss…
